Tag: Dienst
Nachtdienst, dann Urlaub
by Albert on Apr.03, 2010, under Allgemeines
Am Donnerstag hatte ich vor dem Urlaub noch einen Nachtdienst. Da wir jetzt zwei mal die Woche das Aufwachzimmer als IMCU auch über Nacht geöffnet haben musste ich die ganze Nacht da sein. Normalerweise haben wir ja nur Bereitschaftsdiente.
Als ich meinen Dienst antrat war das OP-Programm recht überschaubar.Wir hatten nur noch zwei kleinere Operationen durchzuführen. Anschließend konnte ich meinen Kollegen im Aufwachzimmer unterstützen.
Mit vier Patienten waren wir voll ausgelastet; laut Betriebsvereinbarung werden bei uns über Nacht nicht mehr Patienten aufgenommen.
Zwei Patienten waren postoperativ bei uns, die anderen zwei waren zur Beobachtung bzw. CPAP-Therapie bei uns. Einer dieser Patienten war noch recht jung und es war recht schwierig ihm den Zweck unserer Maßnahmen zu erklären. Immer wieder fragte er nach, ob die CPAP-Therapie wirklich notwendig ist, warum wir jetzt schon wieder Blut brauchen usw.
Er hat dann immer wieder die Maske abgenommen und wir mussten ihn dann immer wieder “überreden” die Maske wieder aufzusetzen.
Natürlich ist es nicht sehr angenehm die ganze Nacht mit einer Maske auf dem Gesicht zu verbringen. Allerdings ist mit einer Lungenkontusion aufgrund eines Thoraxtraumas nicht zu spaßen.
Für solche Patienten braucht man dann besonders viel Geduld und Verhandlungsgeschick.
Die anderen Patienten waren da einfacher, sie bekamen über Perfusoren ihre Schmerzmittel (Piritramid, Tramadol) und was sie sonst noch brauchten (Insulin) und waren ansonsten recht zufrieden.
Gegen drei Uhr hätte ich mir fast einen Blinddarm oder einen Kaiserschnitt gewünscht, so langweilig war es.
Etwa um halb 6 haben wir dann angefangen unsere Patienten für die Verlegung auf die Normalstation bzw. die Intensivstation vorzubereiten.
Mit Blutabnahmen, der Versorgung von Zugängen (ZVK,VK, invasive Blutdruckmessung usw.) der Auffrischung der Betten und allem, was so dazugehört hatten wir dann auch gut zu tun bis unsere Ablösung kam.
Nach der Übergabe brachte ich noch einen Patienten auf die Normalstation und konnte dann nach Hause gehen.
Der Patient hat sich dann noch für die gute Betreuung bedankt und gesagt, er fühle sich wie neugeboren
So was entschädigt dann auch für lange Nächte.
Und jetzt kann ich mich erstmal meinem Urlaub widmen. Wenn ich Mitte April wieder arbeiten gehe möchte ich dann keinen Schifahrer mehr sehen
Das Leben ist Schmerz
by Albert on Mrz.27, 2010, under Arbeit
Als ich heute um 11 Uhr zum Dienst ins Aufwachzimmer kam war die Welt noch in Ordnung. Doch das sollte sich schnell ändern.
Die Patienten, die Nachmittags zu uns kamen hatten durchwegs sehr starke Schmerzen. Natürlich wurden einige Operationen durchgeführt, die erfahrungsgemäß schmerzhaft sind, allerdings war es heute so schlimm wie schon lange nicht mehr.
Die Leute verlangten nach immer mehr Schmerzmitteln. Weder Dipidolor (Piritramid) noch Diclobene (Diclofenac) oder Perfalgan (Paracetamol) schienen zu wirken. Wenn nicht die Sauerstoffsättigung der Patienten gesunken wäre hätte man denken können, dass ich Wasser gespritzt hätte.
Bei einem Patienten, der sehr starke Schmerzen hatte hat nicht mal die periphere Nervenblockade mit Naropin (Ropivacain) gewirkt.
So konnte ich die Patienten natürlich nicht so schnell wie üblich auf die Stationen entlassen und daher war das Aufwachzimmer bis zu meinem Dienstende um 21:30 brechend voll.
Zu guter Letzt teilte mir eine Station mit, dass der Patient, den wir mit viel Aufwand “stationsfertig” gemacht hatten über Nacht auf der Intensivstation bleiben würde. Wenn wir das gewusst hätten hätten wir ihn schon ein paar Stunden früher entlassen können.
Psychisch ist es auch nicht leicht, den ganzen Tag von leidenden, stöhnenden und wimmernden Patienten umgeben zu sein. Nicht, dass ihr mich falsch versteht, mir tun die Patienten wirklich leid und ich glaube auch jedem, wenn er sagt, dass er Schmerzen hat.
Allerdings schlägt einem die Jammerei auch aufs Gemüt.
Normalerweise ist das ja auch kein Problem. Wenn jemand Schmerzen hat bekommt er ein (oder mehrere) Schmerzmittel und in aller Regel bessert sich das Befinden der Patienten auch.
Wenn allerdings alle Maßnahmen keine oder nur eine minimale Wirkung zeigen ist das recht frustrierend.
Aber heute muss anscheinend ein schlechtes Biowetter gewesen sein. Irgend jemand sollte da wirklich mal eine Studie durchführen warum an manchen Tagen die Patienten insgesamt schmerzempfindlicher sind.
Dann könnte ich meinen OP-Termin (sofern ich mal einen brauche) auf einen “guten” Tag legen
(Nacht)dienste
by Albert on Feb.20, 2010, under Arbeit
Momentan ist bei uns wirklich Hochsaison. Im Nachtdienst wurde diese Woche jeden Tag bis in die frühen Morgenstunden operiert.
Und am Mittwoch hatte ich Nachtdienst. Als ich zu Dienstbeginn die Tafel studierte wusste ich schon, dass es auch spät bzw. früh werden würde. Es waren noch einige Oberarmbrüche zu versorgen, dazu noch Schenkelhalsfrakturen und Unterschenkel. Das übliche eben
Glücklicherweise hatte ich ein super Team und so ging die Arbeit flüssig von der Hand. Wir erledigten schön nacheinander alle Punkte und um halb sechs bin ich zum Bäcker gefahren um Frühstück zu besorgen.
Der Dienst war zwar lang aber trotzdem nicht unangenehm, man braucht nur das richtige Team.
Mal sehen, wie es heute (12h Tagdienst) und morgen (Nachtdienst) läuft.
T-error
by Albert on Nov.15, 2009, under Arbeit
Das Klingeln des Telefones reißt mich aus dem Schlaf.
Das Display sagt: Krankenhaus, Portier.
Die Uhr sagt: 04:11
"Ja, hallo?"
"Hallo Albert, wir hätten einen Kaiserschnitt zu machen"
"Gratuliere, aber ich habe frei."
"Aha, dann habe ich wohl die falsche Nummer aufgeschrieben, entschuldige bitte!"
"Ist schon ok, gute Nacht"
Es ist schön, wenn man weiterschlafen kann.
Wieder mal eine schwierige Intubation
by Albert on Sep.23, 2009, under Arbeit
Auch bei uns auf der Anästhesie dürfen Turnusärzte ein paar Monate arbeiten und sich einen Überblick über die Materie verschaffen.
Heute war “unser” Turnusarzt in meinem OP eingeteilt. Mein Anästhesist war auch den ganzen Tag damit beschäftigt seine Fragen zu beantworten und Grundsätzliches zu erklären.
Beim Thema “Schwierige Intubation” kamen die beiden auch auf den McCoy-Spatel zu sprechen. Dieser ähnelt einem “normalen” Macintosh-Spatel für das Laryngoskop, allerdings verfügt er über eine bewegliche Spitze, mit der sich der Kehldeckel anheben lässt. Ich bot an, dass ich den Spatel hole, damit ihn sich der Turnusarzt anschauen konnte.
Dieser Spatel wird bei uns im Bronchoskopie-Wagen aufbewahrt. Darin ist auch sonst alles, was man für eine schwierige Intubation benötigt.
Allerdings war der Wagen nicht an seinem Platz. Ich begab mich also auf die Suche danach und wurde im Nachbar-OP fündig. Dort war der Anästhesist mit dem AN-Pfleger gerade mitten in einer schwierigen Intubation.
Der Patient benötigte für die vorgesehene Operation einen Doppellumentubus. Allerdings war der Patient extrem schwierig zu intubieren. Der Anästhesist konnte den Tubus nicht durch die Stimmlippen vorschieben.
Da in solchen Situationen jede helfende Hand gerne gesehen wird sagte ich unserem Turnusarzt bescheid und blieb gleich in diesem OP. Der Turnusarzt kam dann auch um sich das Procedere anzusehen.
Nachdem der Anästhesist einige Male erfolglos versucht hatte “normal” zu intubieren entschied er sich für die Methode mit der “Fastrach“. Das ist eine Larynxmaske, über die ein Tubus nachgeschoben wird.
Allerdings gelang auch damit keine Intubation.
Erst durch den Einsatz des Bronchoskopes war schließlich eine Intubation möglich.
Es kommt immer wieder vor, dass Patienten schwierig zu intubieren sind, aber für erfahrene Anästhesisten sind auch diese Situationen gut handzuhaben.
Außerdem war es eine gute Unterrichtsstunde für unseren Turnusarzt
Anders als geplant
by Albert on Jul.12, 2009, under Arbeit
Am Freitag war ich auf der 11. cuG-Conf in Innsbruck. Bei fast schon winterlichen Temperaturen sind wir vor der Tür gesessen und haben gegrillt. Das Fleisch dazu hat Chrisu wieder vom Biobauern seines Vertrauens organisiert. Dementsprechend lecker hat es auch geschmeckt ![]()
Das halbjährliche Treffen war wieder einmal sehr nett und gemütlich (trotz der Kälte). Leider musste ich schon gegen Mitternacht aufbrechen.
Gestern hatte ich dann Rufbereitschaft und ich habe gehofft, dass nicht viel los ist. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Um 9 Uhr musste ich schon in den OP. Blöderweise war der erste Patient gleich ein Kind. Da muss man immer besonders aufpassen. Aber es lief alles perfekt.
Anschließend habe ich dann meinem Anästhesisten geholfen, seine Kontakte von einem Samsung Omnia auf das HTC Magic zu migrieren. Das hört sich einfach an, ist aber recht kompliziert, da jeder Hersteller anscheinend sein eigenes Süppchen kocht
Mittags hatten wir dann die nächste OP und danach ging es Schlag auf Schlag. Regelmäßig gegen Ende der Operationen rief die Ambulanz an, dass da noch jemand auf eine Operation wartet.
Teilweise waren auch recht kuriose Patienten dabei. Manchmal kann man wirklich nur den Kopf schütteln
Um halb 8 war ich dann wirklich froh, dass mich der Nachtdienst ablösen kam und zu Hause bin ich nur noch ins Bett gefallen.
Hoffentlich wird der Dienst heute ruhiger!
Neues
by Albert on Jun.20, 2009, under Allgemeines
Auch wenn ich nun schon fast 2 Jahre auf der Anästhesie bin kommen immer wieder neue Herausforderungen auf mich zu.
Im Nachtdienst hatte ich gleich zwei neue Situationen auf einmal: Erstens mussten wir beim wachen Patienten intubieren und zweitens auch noch fiberoptisch durch die Nase. Beides hatte ich noch nie gemacht.
Aber zum Glück lief alles wie geschmiert und es gab überhaupt keine Probleme.
Zuerst wurde mittels Xylocain-Spray die Nase und der Rachen des Patienten betäubt. Damit sollte der Würgereiz beim Intubieren unterdrückt werden. Nach dem Abwarten der Einwirkzeit wurde vom HNO-Arzt noch ein Kokainstreifen in die Nase eingelegt. Auch dies dient der Lokalanästhesie und hat den Vorteil, dass eventuelle Blutungen durch die Vasokonstriktion gemindert werden.
Nun wurde der Patient noch mittels 5mg Midazolam und ein wenig Propofol sediert und ein paar Minuten präoxigenisiert. Dies verschafft einem Zeit falls die Intubation nicht gleich gelingt.
Der Anästhesist schob nun das Bronchoskop, auf dem der Tubus aufgefädelt war unter Sicht durch die Nase in Richtung Kehlkopf. Nach dem Durchdringen der Stimmlippen wurde der Tubus vorsichtig durch die Nase vorgeschoben.
Nach dem Blocken des Tubus wurde der Patient mittels Thiopental in Narkose versetzt. Schmerzmittel gab es jetzt auch, denn es stand ja noch die eigentliche Operation bevor.
Während der OP hatte ich dann Zeit, um die Vorbereiteten aber nicht benötigten Notfallutensillien zu verräumen. Das Tracheotomie-Set lag schon bereit wurde aber glücklicherweise nicht gebraucht.
Was weniger erfreuliches gab es neulich auch. Leider ist uns ein Patient auf dem OP-Tisch gestorben. So was kommt bei uns sehr selten vor. Seit ich im OP bin ist das überhaupt das erste Mal.
Aber solche Situationen kommen leider auch vor.
(Nichts) Neues von der Arbeit
by Albert on Mai.29, 2009, under Arbeit
Langsam merkt man wirklich, dass die Wintersportsaison vorüber ist.
Schifahrer kommen nur noch selten zu uns obwohl es immer noch einige Wahnsinnige gibt, die am Gletscher Schi fahren. Mitten im Sommer!
Häufiger kommen jetzt allerdings typische Frühjahrs- und Sommerverletzungen vor. Die Holzer kommen wieder vermehrt, dann noch die Motorradfahrer und die Grillmeister.
Aber zahlenmäßig ist da gar kein Vergleich zum Winter. Da kommen die Schifahrer pünktlich um 15 Uhr in Scharen und werden wie am Fließband operiert
Die geplanten Operationen werden hingegen nicht weniger. Die Kapazitäten werden bis aufs letzte ausgereizt, teilweise noch darüber hinaus. Kaum ein Tag, an dem das Planprogramm wirklich um 16 Uhr abgeschlossen ist.
Vor allem die Unfallchirurgen operieren alles, was ihnen unter die Finger kommt.
Naja, irgendwie ist das ja auch gut so. In Zeiten in denen überall von der Krise, Konjunkturflaute und Kurzarbeit geredet wird darf man sich über viel Arbeit glaube ich nicht aufregen
Wo man allerdings einen Rückgang feststellen kann sind die Nachtdienste. Während man im Winter bis tief in die Nacht (mein Rekord ist 05:30) im OP steht ist es im Sommer deutlich ruhiger.
Hier und da mal ein Kaiserschnitt oder ein Blinddarm, aber sonst wird nicht viel operiert. Außer jemand fällt unglücklich auf etwas, während er gerade nackt im Bad auf einer Leiter steht. Oder so
In meinen letzten beiden Nachtdiensten hatte ich überhaupt keine Operationen. Ich musste nur jeweils warten bis das Aufwachzimmer leer war, dann konnte ich nach Hause gehen.
Ist ja auch nicht schlecht
Kompetenzzentrum für mitternächtliche Schulter-Endoprothetik
by Albert on Apr.25, 2009, under Arbeit
Ich hatte mir gestern nachmittag schon gedacht, dass drei “gute” Nachtdienste hintereinander einfach nicht möglich sind
Als ich um halb acht in den Dienst kam war noch eine pertrochantäre Oberschenkelfraktur und eine Oberarm-Luxationsfraktur zu versorgen. Und während wir bei der ersten Operation die Narkose einleiteten meldete sich noch die Chirurgie wegen eines akuten Blinddarms. Naja, die mussten eben warten.
Beim Oberschenkel war zuerst nicht klar, ob er mittels PFNA oder offen versorgt wird. Auf jeden Fall habe ich schon meinen CellSaver hergerichtet, da im Fall einen offenen Versorgung mit starken Blutungen zu rechnen ist.
Schlussendlich war er aber nicht wirklich nötig. Die Operation hat zwar auf Grund der speziellen Anatomie des Patienten und des komplizierten Bruches rund doppelt so lange gedauert wie normal, aber der Blutverlust hielt sich zum Glück in Grenzen.
Gegen Mitternacht konnten wir uns dann der Oberarmfraktur widmen. Laut Unfallchirurgen war es nicht sicher, ob die Fraktur mit einer Platte oder einer Prothese versorgt werden würde, aber beim Betrachten der CT-Aufnahmen, besonders des Humeruskopfes tippte ich schon eher auf eine Prothese.
So war es dann auch und wir waren in der außergewöhnlichen Situation mitten in der Nacht eine Total-Endoprothese eines Oberarmkopfes durchzuführen.
Natürlich hat das auch seine Zeit gedauert, aber die Operation ist gut gelungen und der Patient hatte danach kaum Schmerzen. Auch heute hielten sich die Schmerzen in Grenzen, wie ich erfahren habe. Normalerweise sind Eingriffe an der Schulter recht schmerzhaft, aber dieser Patient hatte anscheinend Glück.
Gegen halb vier Uhr morgens widmeten wir uns dann schließlich noch dem einfachsten Eingriff der Nacht. Die Chirurgen waren leicht angefressen, weil sie erst um diese unchristliche Uhrzeit an die Reihe kamen, aber wir machen das ja nicht zum Spaß.
Die laparoskopische Appendektomie war dann auch schnell erledigt.
Anschließend brachte ich noch meine Arbeitsplätze in Ordnung, damit sie für folgende Operationen wieder sofort verfügbar sind und half noch dem OP-Pfleger die drei OP-Sääle, die wir gebraucht hatten sauber zu machen. Eingetrocknetes Blut ist doch was schönes
Um halb sechs konnten wir dann endlich an die frische Luft. Es begann sogar schon zu dämmern und die Vögel brüllten sich die Seele aus dem Leib.
Ich beschloss nicht gleich schlafen zu gehen. Einerseits brauche ich immer etwas Zeit um “herunterzukommen”. Andererseits konnte ich nach Ende meiner Bereitschaft um 07:30 mit gutem Gewissen das Telefon ausschalten. Nichts nervt mehr als ein Anruf während man nach dem Nachtdienst ausschlafen will.
Als Bonus wachte ich um elf Uhr noch mit einem Migräneanfall auf. Aber eine Tablette und ca. 30 Minuten später konnte ich wieder den Schlaf der Gerechten genießen. Und gegen 17 Uhr war ich dann ausgeschlafen. Jetzt überlege ich gerade, was ich mit dem angebrochenen Tag anstelle. So wie es aussieht nicht mehr viel
Ganz normaler Freitag
by Albert on Apr.18, 2009, under Arbeit
Eigentlich war der gestrige Arbeitstag ja ganz lustig. Zumindest für mich.
Schon am Donnerstag Nachmittag war nach einem Blick auf die OP-Tafel klar, dass sich das Planprogramm niemals in der Regelarbeitszeit ausgehen würde.
Die Unfallchirurgen hatten einige langwierige Operationen aufgeschrieben (Knie-, Hüft- und Schulterprothesen, Wirbelsäulen-OPs).
Die Chirurgen hatten auch einige Operationen geplant aber das waren alles eher kürzere Eingriffe.
Die Gynäkologen hatten auch ein riesen Programm mit geplanten Kaiserschnitten, Laparoskopien usw.
Die einzige Abteilung, die ein realistisches OP-Programm hatte war die HNO. Und in diesen OP wurde ich eingeteilt.
Wir haben unsere Operationen abgearbeitet und waren zu Mittag fertig damit. Anschließend haben wir natürlich Operationen von den anderen OPs “eingesammelt”.
Zuerst machten wir einen Unfallpunkt, dann wurden die Gynäkologen in unseren OP “abgeschoben”, damit die Unfallchirurgen mehr Platz zum Operieren hatten.
Glücklicherweise war mein OP weit weg von der OP-Tafel, bei der hektisch geplant, verschoben, gestrichen, hinzugefügt und diskutiert wurde.
Natürlich mussten die ungeplanten, aber dringlichen Operationen auch noch irgendwo dazwischen geschoben werden.
Irgendwie fand ich die ganze Aufregung und hektische Betriebsamkeit ja ganz amüsant. Ich konnte mich ja auf meinen Feierabend um 16 Uhr freuen.
Weniger schön war, dass bei einem relativ kleinen Eingriff bei einem jungen Patienten überraschend eine schlimme Diagnose gestellt wurde. Aber viel Zeit um darüber nachzudenken blieb nicht, denn wir mussten ja schon wieder den nächsten Patienten auflegen.
Laut OP-Plan hätten nach 16 Uhr noch zwei OP-Sääle laufen dürfen. Es waren dann schlussendlich vier. Und die Tafel war noch lange nicht leer.
Ich habe dann meinen Chef gefragt, ob ich noch länger bleiben soll, aber er hat gemeint, dass er schon klar kommt. Naja, auch egal.
Die Instrumentare und OP-Pfleger können natürlich nicht um 16 Uhr einfach nach Hause gehen, die müssen noch so lange am Tisch stehen bleiben bis die Operation beendet ist. Das gibt natürlich wieder Überstunden, die wir nicht machen sollen weil “zu teuer”.
Naja, ein ganz normaler Freitag eben.









